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Standortkultur und Städtebaulicher Denkmalschutz
Verleihung der Bronzeplakette
Auszug aus dem Werkbericht im Rahmen des Bundeswettbewerbes 1992 - 1994
"Erhaltung des historischen Stadtraumes: Standortkultur und städtebaulicher Denkmalschutz in den neuen Bundesländern"
 

Erarbeitet von:

Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung - IRS
Direktor: Professor Dr. Karl-Dieter Keim

Forschungsgruppe Revitalisierung historischer Stadtkerne
Adalbert Behr, Hella Hagge, Dr. Jörg Müller, Sylvia Scharping, Helga Wetzel


Im Zusammenwirken mit:

Bundesbewertungskommission
unter Vorsitz von Professor Dr. Gottfried Kiesow und Dipl.-Ing. Michael Bräuer


Die Kommune setzt bei der Sanierung und Revitalisierung der Altstadt auf die eindrucksvolle Geschlossenheit und weitgehende Ungestörtheit der städtebaulichen Strukturen sowie auf die sehr reizvolle topographische Situation auf einem Bergsporn über der Mulde.

Diese einprägsame Lage brachte für die Stadt schwerwiegende Probleme: die langen Mauerzüge waren am Zerfallen, die Standfestigkeit vieler Häuser gefährdet. Die Straßen am Rand der Altstadt wiesen zusätzlich Schäden durch Panzerfahrzeuge der nahegelegenen 4. sowjetischen Garnison auf. So konzentrierte die Stadt am Anfang zielstrebig alle Kräfte auf drei Aufgaben: Festigung der Mauern, Straßenerneuerung und Sicherung aller Gebäude, besonders ihrer Standsicherheit. Eindrucksvoll ist, daß bis heute schon ca. zwei km der Befestigungsmauern repariert wurden; das sind zwei Drittel aller Stützmauern. Die Maßnahmen wurden von einheimischen Firmen mit relativ geringen Mitteln (etwa 900.000 DM) durchgeführt. Die Straßenerneuerung hatte auch das wichtige Ziel, die bisher fehlende technische Infrastruktur zu verlegen. Straßengestaltung und -pflasterung mit ortsüblichen Materialien auf der Kirchstraße und am Kirchplatz sind angemessen und bestimmen wirkungsvoll den historischen Stadtraum.

Die insgesamt überzeugenden Ergebnisse der ersten Sanierungsetappe in der Kirchstraße als wichtigem Bindeglied zwischen Markt, Stadtkirche und der imposanten Burg Mildenstein gründen sich wesentlich auf eine solide Analyse- und Planungsarbeit. Der aktuelle Vorentwurf zum Flächennutzungsplan steht für ein gesamtstädtisches Zielkonzept, der beschlossene fachgebietsübergreifende Rahmenplan für die Zusammenschau stadttechnischer, verkehrlicher, nutzungsbezogener, denkmalpflegerischer und stadtgestalterischer Aspekte bis zum Ablaufkonzept.

Vielfältige Förderungsmaßnahmen für die einheimische Bürgerschaft sollen die Privatinitiative für die Modernisierung von Wohnraum unterstützen. Hervorzuheben ist hier das Vergabesystem der stadteigenen Grundstücke zu tragbaren Preisen. Der Erfolg läßt sich an der Vielzahl abgeschlossener und begonnener Modernisierungen ablesen.

Die aktive Privatisierungspolitik mit Bevorzugung sanierungsbereiter Bewerber, kluge Kopplung von Mitteln und Maßnahmen verschiedener Ressorts, enges Zusammenwirken von Kommunalpolitik, Verwaltung und Planung mit Landesinstitutionen, der Partnerstadt Bünde (Nordrhein-Westfalen), der Lokalpresse, der TU Dresden und dem Geschichts- und Heimatverein gehören zu den besonders hervorhebenswerten, erfolgsfordernden Merkmalen einer zielstrebigen Vorgehensweise. Ausdrücklich zu würdigen ist die gute Entwicklung des örtlichen Handwerks im Zuge der Sanierung. Festzuhalten ist auch weiterhin an einer funktionellen Stärkung der Altstadt durch Handel und Gewerbe, vor allem an den Hauptstraßen und Plätzen, durch touristische Einrichtungen und an einer sozialverträglichen Wohnungsentwicklung.

Nach diesen Anstrengungen zur Rettung der historischen Altstadt steht die Stadt heute an einer Schwelle, um nunmehr dem Freiraumkonzept, dem Gestaltungskonzept und den baulichen Details größere Aufmerksamkeit schenken zu können. Empfohlen wird die Vertiefung der Planungen, insbesondere durch präzisierte Nutzungskonzepte, bei denen die Blockinnenbereiche von öffentlicher Nutzung konsequent freigehalten werden sollten.

Der Entwicklung der Wohnumfeldqualität gebürt in den Baublöcken vor den gewerblichen Nutzungen und dem ruhenden Verkehr Vorrang. Im Blockinnenbereich ist auch auf die Begrünung Einfluß zu nehmen. Die Stadt sollte ihre Anstrengungen verstärken, den Bürgern die beabsichtigte denkmalgerechte Gestaltung so zu vermitteln, daß unangemessene Gestaltungsmittel - Materialien, Fensterteilungen, Markisen - ausgeschlossen werden. Hier wäre eine Gestaltungsfibel wünschenswert. Die Problematik der Detaildurcharbeitung gilt auch für den öffentlichen Raum (Abdeckung der Stützmauern, Geländer usw.). Die nicht ausdiskutierte Frage nach den Gestaltungsabsichten für die Baulücken an stadtraumprägenden Standorten führte zu noch nicht befriedigenden Kompromißlösungen (Eckbebauung Marktplatz/Chemnitzer Straße).

Insgesamt wird deutlich, daß es schon heute gelungen ist, die Altstadt zu einem lebendigen Wohn- und Geschäftsbereich werden zu lassen. Es ist ein gesundes Maß pragmatischen Handelns angesichts der vordringlichen Sicherung der Stützmauern und der Vorzugsaufgabe der technischen lnfrastruktur zu erkennen. Darüber hinaus wird eine große Offenheit für mittel- und langfristiges Planen spürbar: In eindrucksvoller und zupackender Weise wirken nicht nur Rat, Bürger und Verwaltung gemeinsam, sondern auch mit mehreren Städten in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und im Saarland. Oft liegt eine besondere Herausforderung darin, einem ausgeprägten Bürgersinn und starken baulichen Aktivitäten durch hohes fachliches Können, institutionelle Kompetenz, aber auch Präsenz zu entsprechen.

In dem Bundeswettbewerb wurde die Stadt Leisnig mit der Bronzeplakette ausgezeichnet.

 


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