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Karl Wagler (1887 - 1975)
Heimatmaler
 
Bild von Karl Wagler
Foto: Wolfgang Schmidt, 1966

Karl Wagler wird am 18.11.1887 in der Leisniger Webergasse geboren - als zweites Kind armer Leute. Der Vater, von Beruf Weber, ist stets mit Blumen zur Stelle, wenn in der Neuen Sorge Liebknecht spricht. Er gründet die KPD mit, stirbt aber bald. Emilie Wagler, die Mutter verdient ihr Brot mit Heimarbeit als Näherin u. a. für die Firma Liske. Sie betreibt später selbst einen Kurzwarenladen in Leisnig und ist sehr beliebt bei den Leuten.

Weil Karl gut zeichnen kann, erhält er 1901 für drei Jahre eine Lehrstelle bei dem Leisniger Malermeister Bruno Winkler. Doch Wände und Bahnplanken streichen liegt ihm nicht so.

Ab 1905 geht Karl Wagler für fünf Jahre auf Wanderschaft. Im schlesischen Hirschberg restauriert er Stuck und Wandmalereien, zieht dann nach Glückstadt in Holstein und nach Thüringen. 1910 arbeitet er bei der Malerfirma Baier & Cotte in Leisnig und besucht 1912/13 die Glauchauer Fachschule für Moderne Holz- und Marmormalerei.

Von 1915-1918 muss er als Soldat an die Front in Fankreich und Gallizien. Nach einer schweren Oberschenkelverletzung kommt er in ein Lazerett am Bodensee. Hier beginnt er wieder zu malen. Vor allem kleine Porträts seiner Mitpatienten. Die Ärzte schützen ihn vor einem neuen Fronteinsatz.
Zurück in Leisnig, lernt Wagler bei Musiknachmittagen in der Fischendorfer "Dreiweiberschenke" seine spätere Frau Helene Knorr und deren Schwester Dorle kennen. Bis in seine letzten Tage werden diese beiden heiteren und klugen Geschöpfe für ihn da sein. Ein Leben lang.
Dorle wohnte im Nachbarhaus und half im Maler-
haushalt, wann immer sie konnte.

Seine Geselligkeit beschert ihm 1919 die Bekanntschaft mit dem Fabrikbesitzer Böttger, der ihm ein Privatstudium bei Professor Rentzsch in Leipzig und zwei Jahre an der Staatlichen Akademie für Grafik und Buchkunst ermöglicht. Frau Otto, Besitzerin des "Goldenen Löwen", macht ihn mit Frau von Arnim auf Kriebstein bekannt. Diese wird für viele Jahre seine wichtigste Förderin. Anfang der zwanziger Jahre lernt er auch Max Grimmer kennen, den späteren Leisniger Altertumsforscher und Förderer des Burgmuseums.

1923 geht Wagler an die MÜNCHENER AKADEMIE, entflieht aber schon bald wieder ihrer konservativen Kunstauffassung und nimmt Privatunterricht bei FRANZ VON STUCK.
Von München aus reist Karl Wagler im Sommer 1925 zum ersten Mal nach ITALIEN. Im Jahr darauf gleich noch einmal. Diesmal zusammen mit seinem Leisniger Dichterfreund Rudolf-Paul Roßberg. Auf der Fahrt treffen sie einen ehemaligen Mitarbeiter von Schliemann. Wagler besichtigt mit ihm Pompeji.

Zahllose Aquarelle und Ölbilder sind das Ergebnis dieser ersten großen Reisen.
Sonnendurchflutete Landschaften, scheinbar unbeeinflusst von allen Strömungen und Umbrüchen der zwanziger Jahre. Eine fast brave Treue zu Luft und Licht, aber dank tiefer Naturliebe von großer Empfindsamkeit.
Auf anschließenden Ausstellungen in Leisnig und Döbeln kann er viele Bilder verkaufen, sich die nächsten Reisen finanzieren. Mehrmals fährt er in die LAUSITZ und in die SUDENTEN. Fabrikant Böttger und Frau von Arnim geben Geld und Lebensmittel. Die Arbeitslosigkeit wächst und auch durch die Kleinbürgerköpfe und Gassen Leisnigs zieht der braune Geist.
Während auf Mitglieder der KPD-Ortsgruppe zum ersten Mal geschossen wird, hat für Karl Wagler das Jahrzehnt seiner großen Reisen begonnen.
Ab 1931 verbringt er die Sommer malend u. a. in OSTPREUSSEN, in den MASUREN, im SAUERLAND und WESERGEBIRGE sowie an der NORDSEE. Von hier aus bricht er schließlich 1934 nach NORWEGEN auf. Dort besucht er den hoch betagten Maler Hans Dahl und fährt mit dem Schiff hinauf bis Nordkap.
1935 folgt eine Studienreise bis nach POMMERN. 1936 besucht Karl Wagler für mehrere Wochen die von Menzel gegründete KÜNSTLERKOLONIE Willingshausen in Hessen. Wie eine spätere Postkarte belegt, wird er dort herzlich aufgenommen. Besonders auch von Prof. Bantzer.
Waglers Verhältnis zu Helene Knorr ist zu einem spannungsreichen Lebensverbund geworden. Auch in diesem Sommerurlaub reist sie ihm nach. Diesmal auf ein kleines Schloss im Sauerland. Hier erholt sie sich zwischen zechenden Künstlern von ihrem harten, aber geliebten Dienst als Krankenschwester in Essen.

Wagler beteiligt sich 1939 an einer großen Kollektivausstellung im Sauerland. Eine PARISER ZEITSCHRIFT beschreibt ihn danach als "Dichter der entfliehenden Stunde".

1944 heiraten Helene und Karl. Sie ist inzwischen angesehene Schwester im Leisniger Krankenhaus,
lässt ihm auch weiter alle Freiheiten monatelanger Abwesenheit und nimmt manche Liebschaft in Kauf. Ich wusste, erzählt sie in einem Tonbandinterview, dass dieser Mensch als Künstler an nichts gebunden sein durfte.
Im Juni 1944 wird Wagler mit siebenundfünfzig Jahren noch eingezogen und nach Beschwerde über
einen jungen Vorgesetzten an die Ostfront versetzt. Bei einer Fahrt nach Wurzen trifft er später im dortigen Stab einen alten Studienfreund, er kann bleiben, das Leben wird erträglicher, auch Helene kann ihn besuchen. Bis er durch Zufall bei Dresden in russische Gefangenschaft gerät und in der Nähe von Prag interniert wird. Hier erlebt er bei Kriegsende die blutige Rache der tschechischen Bevölkerung an Frauen und Männern der SS.
Die Kriegsbilder werden ihn nicht mehr verlassen. Im September 1945 kommt er gebrochen nach Hause zurück. Grandiose Landschaftserlebnisse, die Vorkriegspläne für ein Atelierhaus , nichts davon als Entmutigung ist geblieben. Nur ganz allmählich lässt sich Karl Wagler auf einen Neuanfang ein.
Er wird Mitglied des Kulturbundes, gibt Kurse in der Volkshochschule, setzt sich bald in verschiedenen Gremien der Stadt ein.
1950 löst sich DDR-weit die Sparte der bildenden Künstler vom gewerkschaftlichen Dachverband FDGB. Der Verband Bildender Künstler wird gegründet. Es folgen viele Überprüfungen, die Anzahl der Mitglieder verringert sich auf ein Viertel. Im Kreis Döbeln auf ganze zehn. Anfang November steht auch Wagler wieder vor einer Kommission. Sie beurteilt sechs eingereichte Bilder, fragt nach letzten Ausstellungen, Reisen, Aufträgen. Kommissionsvorsitzender ist u. a. Theo Thomas, der ihn ein paar Wochen zuvor noch als Leiter der VBK-Ortsgruppe vorschlug, später nach dem Westen geht. Waglers Mitgliedschaft wird abgelehnt, weil die künstlerischen Anlagen zu gering erscheinen. Auch nach einem Einspruch im Februar 1951 beim Landesverband Dresden bleibt es dabei. Als Gutachter tätige Maler wie Bergander, Grundig und Arnold sind an der Entscheidung beteiligt. Später wird er erneut Mitglied und 1957 wieder ausgeschlossen.

Aus diesem vor allem politischen Rauswurf fällt für Wagler nicht nur die Intelligenzrente weg. Fast alle Türen schlagen zu. Druckgenehmigungen werden nicht erteilt, seine Arbeiten von der III. Deutschen Kunstausstellung in Dresden und für die Bezirksaustellung in Leipzig abgelehnt. Es bleibt bis 1958 der Verdienst von Helene im Krankenhaus. Danach die Beteiligung an wenigen kleinen Kreisausstellungen. Doch seine Bilder treffen nicht den DDR-Aufbaugeist.
Auch all die Bittschriften um Farben, Rentenzuschläge und Bilderankäufe machten ihn müde.

Mit zunehmendem Alter beschränkt sich Karl Wagler vor allem auf die kleinen Schönheiten der heimatlichen Umgebung. Von Wanderungen bringt er nicht nur reizvolle Landschaftsblicke mit, sondern immer häufiger auch Gräser und Wildpflanzen. Bezaubernde Stillleben entstehen. Voller Wärme und Hochachtung.

"Karl Waglers letzte Lebensjahre bis zu seinem Tod am 26. April 1975 wurden die unserer Freundschaft. Als Schüler waren wir ab 1969 nacheinander in sein Leben getreten. Ich um meine Leidenschaft am Malen zu stillen, Dietmar Riemann aus Hartha zunächst als junger Fotograf. Später Christbert Steude, wieder ein blutjunger Schüler.
Es dauerte nicht lange und unsere Besuche, Abende und Stunden wurden das Heiterste und Tiefste, was ich als Zwanzigjähriger bis dahin an der Seite älterer Menschen erlebt hatte. Die Gespräche über Kunst, Karls unglaubliche Geschichten, Helenes Klugheit und Güte, das mitreißende Lachen von Dorle. Alles hat uns sehen gelehrt und die Herzen geöffnet."


(Hartmut Sommerschuh Leisnig, den 26.09.1997)
 


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