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Der Heringszins zu Leisnig
Streit mit dem sächsischen Königshaus
 
Bild mit Fass und Heringen

1504 wird der Heringszins erstmalig erwähnt, den der Leisniger Rat jedes Jahr am Aschermittwoch auf das Schloß Mildenstein zu leisten hatte. Es mußte eine Tonne flämische oder schottische Heringe sein. Im Jahre 1616 kam deswegen folgender Streit zustande: Der Rat hatte nicht die Heringe sondern den entsprechenden Geldbetrag nach Dresden gesandt. Da der Rat aber nach Ansicht der Frau Kurfürstin damit eigenmächtig gehandelt hatte, fragte diese zunächst beim Leisniger Amtsschöffer Matthias Horn an, wie man in Leisnig dazu komme, ihr das Geld zu schicken und nicht die Heringe. Der Amtsschöffer wußte nicht recht, was er darauf antworten sollte und schrieb nur, man habe nachgeforscht und dabei festgestellt, daß der Rat zu Leisnig tatsächlich jeden Aschermittwoch Jahr für Jahr vom Rathause aus eine Tonne Heringe ins Amt zu zinsen habe. So stehe es auch im Leisniger Amtserbbuch vom Jahre 1504 verzeichnet. Merkwürdigerweise seien allerdings später diese Heringszinsen in den anderen beiden, zu Lebzeiten des Kurfürsten Moritz (1548) geschriebenen Amtserbbüchern nicht mit aufgeführt und kämen erst 1561 wieder in den Ratsrechnungen vor. Die Lieferung der Heringe bestünde aber trotzdem zu Recht.
Doch der Rat zu Leisnig ließ sich weder durch die Frau Kurfürstin noch durch den Amtsschöffer ins Bockshorn jagen. Der damalige Bürgermeister Hans Richzenhain stellte zunächst fest und schrieb das auch dem Amtsschöffer, daß die Heringe erstens nicht mehr zu Fastnachten zu liefern seien, wie das früher der Fall gewesen wäre, sondern erst zu Invocavit und zweitens auch nicht mehr auf das Leisniger Schloß ins Amt, sondern nach Dresden in die kurfürstliche Haushaltung. Der Heringszins würde deshalb vom Rate zu Leisnig seit Jahren schon in Geld gezahlt und zwar so, wie man eine Tonne Heringe dem Werte nach an der Dresdner Waage zu Weihnachten kaufe. Weil man das nun schon seit dreißig Jahren so gehandhabt habe, ohne daß ein Einspruch dagegen erfolgt sei, müsse man darum bitten, das Geld auch fernerhin anzunehmen. Übrigens könne man in Leisnig nicht verstehen, wie man jetzt in Dresden auf einmal wieder die Heringe haben wolle. Man sollte doch bedenken, daß der Leisniger Rat die Heringe erst in Leipzig kaufen müsse - ob viele alt und faulig seien wisse er nicht - und dann müsse er viele Heringe dorthin fahren lassen, wo sich die Frau Kurfürstin gerade aufhalte - also gegenwärtig nach Dresden. In Dresden aber bekomme man für das gezahlte Geld die Heringe frisch und gut von den Elbkähnen. Das leuchtete denn auch in Dresden ein, und so hat man das Geld genommen.

(Aus: Akt. d. Sächs. Hauptst.-Arch., Col. Schmid, Amt Leisnig Vol IV Ro. 30.)

Mit einem einmaligen Erlass des Staatsminister Herr Dr. de Maizière Finanzministerium des Freistaates Sachsen wurde im Jahre 2002 der Stadt Leisnig der Heringszins für mehrere Jahrhunderte zurück erlassen. Dies sollte ein guter Grund sein, in einer gemütlichen Runde mit einwenig Leisniger Schalk die Traditionen des Heringsessens weiter zu führen. Zumal in der Faschingszeit nicht nur Politiker etwas Saures brauchen!

 


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